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Emden vs. B├╝hrle

1998
1970
1945
Tachles 28 October 2022
Yves Kugelmann
(English translation below)

Der Anwalt Olaf Ossmann vertritt seit Januar die Erben des Kunstsammlers Max Emden in der Schweiz und somit gegenüber der Bührle Stiftung und dem Kunsthaus Zürich – ein Gespräch über Perspektiven und Lösungsansätze

tachles: Sie sind als Rechtsanwalt Experte für Raubkunst, Restitution und Provenienz. Wie steht aus Ihrer Sicht die Schweiz innerhalb Europas da, wenn es um mit dem Holocaust konnotierte Raubkunst geht?

Olaf Ossmann: Die Schweiz hatte in Europa während des Kriegs als neutrales Land eine Sonderrolle eingenommen, weil sie selbst in der Nachkriegszeit gezwungen werden musste, Werke herauszugeben, die direkt von den Deutschen beschlagnahmt worden waren. Ansonsten zog sie sich immer auf das klassische Zivilrecht zurück, wonach Fälle in der Schweiz eigentlich nicht auftreten könnten, weil Verfolgte hier als normale Zivilrechtssubjekte gehandelt hätten. Man hat dabei ignoriert, dass die Verfolgung in Deutschland und den besetzten Gebieten aus Sicht der Verfolgten weiter wirkte. Auch in der Schweiz waren sie nicht in der Lage, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und demnach gezwungen, bestimmte Verträge zu den ihnen diktierten Preisen abzuschliessen, um aus dem reinen Transitland Schweiz weiterreisen zu können.

Was heisst das konkret in Verbindung zu den von der Schweiz 1998 unterzeichneten «Washington Prinzipien»?

Das Problem der Schweiz war, überhaupt zu verstehen, was diese Prinzipien bedeuten, weil sie als neutraler Staat nicht in der Nachkriegsrechtsprechung der Alliierten involviert war. Spätestens durch die Theresienstädter Vereinbarungen von 2008 hat sie es aber deutlich oktroyiert bekommen, dass eben Zwangsverkäufe unabhängig von der Situation so lange als solche gelten, wie der Verkäufer verfolgt ist. Nach 2008 wurde dann die Schweiz-interne Information dem angepasst und es wurde festgehalten, dass Wertgegenstände auf Drittmärkten auch unter den Begriff «Zwangssituation» fallen können.

Die Schweiz war ja vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Drehscheibe für enteignete und konfiszierte Raubkunst.

Ja, anfangs gab es zwar mehrere solcher Drehscheiben, die dann allerdings aufgrund der Gebietseroberungen durch die Nazis wegfielen. Amsterdam etwa war eine Drehscheibe, was erklärt, weshalb holländische Kunsthändler später in die Schweiz übersiedelten. Deutsche Juden konnten nicht in Deutschland verkaufen, denn sie brauchten ja nicht Reichsmark, sondern Devisen, um fliehen zu können, und ein Erlös wäre ziemlich sicher auf einem unzugänglichen Sperrkonto gelandet. Letztlich blieb dann nur noch die Schweiz.

In vielen Ländern, jedoch nicht in der Schweiz, wurden Expertenkommissionen zur Beurteilung von Kunst in öffentlichen Institutionen eingesetzt. Eine Motion bringt nun die Gründung einer Kommission in Gang. Doch anders als in anderen Ländern muss die Regierung regelrecht dazu gedrängt werden.

Die Schweiz vertritt immer noch die Auffassung, dass das, was sie als Fluchtkunst definiert, weil es nicht auf dem Gebiet der nationalsozialistischen Zugriffsmöglichkeiten stattfand, eben keine Raubkunst sei und gesondert betrachtet werden müsse. Aus meiner Sicht ist aber Fluchtkunst eine rein historische und keine juristische Kategorie, weil sie nicht in Betracht zieht, dass der Verkäufer noch immer auf der Flucht war und diese erst endete, als der Verfolgungsgrund – das «Dritte Reich» – zu Ende war. Das gilt durchgehend für die Zeit von 1933 bis zum 8. Mai 1945.

Wurden denn – unbekannterweise – schon Kunstgegenstände restituiert?

Nein, und eine Kommission soll erst gebildet werden, wenn es in der Schweiz Ansprüche gibt. Ich sehe das umgekehrt: Solange keine Kommission gebildet wird, wird es keine Ansprüche geben, weil es keinen sinnvollen Ort gibt, diese durchzusetzen.

Die «Washington Prinzipien» verlangen allerdings die Einsetzung einer Kommission.

Es gibt zwei Möglichkeiten: eine Kommission einzusetzen oder ein Gesetz zu machen. Letzteres hat Österreich getan. Jedenfalls war überall die erste zu nehmende Hürde, die öffentlichen Sammlungen von der Verpflichtung zu befreien, nichts herausgeben zu dürfen. Der zweite Knackpunkt war, ein unabhängiges Gremium zu installieren, das das Vertrauen beider Seiten geniesst. Auch die Schweiz braucht eine Kommission, die so paritätisch ist, dass Anspruchsteller überhaupt eine Chance sehen, ihren Fall gerecht und ausschliesslich nach den Washingtoner Prinzipien beurteilt zu sehen.

Nun soll aber eine solche Kommission aufgrund der Motion eines Politikers gebildet werden.

Richtig, aber leider haben die beiden Kammern aus der Motion den Wirkungskreis herausgenommen und diesen offen gelassen. Das wirft immer noch die Frage auf, was eigentlich der Betrachtungshorizont sei: wiederum nur die Entscheidungen der deutschen Behörden während des Kriegs, oder doch gemäss den Washingtoner Prinzipien sämtliche Verkäufe durch Verfolgte während der Nazizeit.

Zur Zeit tagt der «runde Tisch» zur Bührle-Sammlung. Kunsthaus-Präsident Philipp Hildebrandt nannte diesen einen unnötigen Umweg.

Hildebrandt hat Recht. Das alles ist eine unnötige Zeitverzögerung.

Sie vertreten seit Januar als Anwalt die Enkel von Max Emden, welche unter anderem Ansprüche auf das Mohnblumen-Bild von Monet in der Sammlung Bührle erheben. Weshalb erst jetzt?

Auch in der Nachkriegszeit bestand für Fälle dieser Art in der Schweiz keine rechtliche Basis. Dies, weil einerseits die Frage des gutgläubigen Erwerbs, andererseits die Verjährung einem rechtlichen Anspruch entgegengestanden hätten. Zu jener Zeit umfassten die Washingtoner Abkommen von 1946/47 ausschliesslich Kunstwerke, die 1933 bis 1945 von deutschen Behörden beschlagnahmt worden waren. Sogar bei diesen gibt es nur eine Handvoll Fälle, bei denen der Gerichtsweg überhaupt Sinn gemacht hätte.

Und macht es für das Monet-Bild Sinn?

Im Dezember 2021 wandte sich einer der Enkel von Max Emden an mich mit der Frage, inwieweit es überhaupt noch sinnvoll sei, in der Schweiz Ansprüche geltend zu machen. Ich sagte ihm, dass es erstens sinnvoll sei, sich darum zu kümmern, und dass ich zweitens nochmals eine grundsätzliche Recherche in den gesamten Unterlagen machen würde. Letzteres tat ich dann auch; es betraf die Situation Hans-Erich Emdens zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters Max und den anschliessenden Verkauf des Mohnblumen- und einiger anderer Bilder, die über Herrn Feilchenfeldt in den Markt gelangten.

Die Gemälde der Bührle Sammlung fallen erst mit dem Übergang ins Kunsthaus unter die «Washington Prinzipien». Sie waren ja zuvor in Bührles Privatmuseum gewesen. Auch interne Absprachen oder der alte Leihvertrag würden davor nicht schützen.

Grundsätzlich stimmt das. Man muss dazu auch sagen, dass Bührle einer von nur einer kleinen Handvoll Kaufinteressenten war, die es für diese Art Bilder in der Schweiz damals überhaupt noch gab. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass Hans-Erich Emden einen Schweizer Aufenthaltstitel hatte, der auf maximal drei Monate begrenzt war, weiss man, unter welchem Verkaufsdruck er stand. Kommt dazu, dass er mit den Brissago-Inseln, die oft als Vermögen dargestellt werden, eine Last zu tragen hatte. Er musste ja deren Verwaltung, bevor er floh, mit ausreichenden Mitteln für Steuern, Betriebskosten usw. ausstatten. Er hatte also gar keine Wahl, und als 29-Jähriger, den sein Vater nie in die Belange der Kunst eingeweiht hatte, vertraute er den Kunsthändlern blind.

Wie wird denn heute beurteilt, ob Hans-Erich Emden die Bilder damals unter Wert verkaufen musste?

Einerseits war es 1940/41 selbstverständlich keine freiwillige Entscheidung von ihm, die verbliebene Kunstsammlung seines Vaters aufzulösen und zu verkaufen. Andererseits bestand zumindest in der Schweiz zu dieser Zeit kein Markt mehr, der wirklich marktgerechte Preise hätte erzielen lassen. Drittens gibt es im Gegensatz zu anderen Verkäufen keinen Nachweis für die damals tatsächlich an Emden bezahlte Summe. Der von Bührle bezahlte Preis entspricht in etwa der Hälfte des marktüblichen Preises, und davon erhielt Emden offenbar auch nochmals nur die Hälfte – wenn überhaupt.

Kann geltend gemacht werden, dass Bührle gutgläubig gekauft und einfach normal verhandelt hat?

Es ist eines der Grundprobleme unserer Fälle, dass sich damals zwei Rechtssubjekte gegenüberstanden, die nicht auf der gleichen Ebene handelten. Der unter Druck stehende jüdische Verfolgte auf der Durchreise kann nicht auf Augenhöhe mit einem Industriellen wie Herrn Bührle gesehen werden, der ja frei über Kauf oder Nichtkauf und sein Preisangebot für das Bild entscheiden konnte. Emden hätte praktisch auf jedes Gebot eingehen müssen, weil Bührle der einzige übrig gebliebene Interessent für das Bild war. Das heisst auch, dass die Beweislastumkehr – die es in solchen Fällen gibt – für die freie Entscheidung eben bei der Gegenseite liegt. Diese hat aber weder einen Nachweis darüber, was sie überhaupt bezahlt hat, noch wann sie es bezahlt hat und ob es angemessen war, und entsprechend kann es kein autonomes Rechtsgeschäft im zivilrechtlichen Sinn gewesen sein.

In Deutschland, Holland, Belgien werden regelmässig Bilder an Opfer-Familien zurückgegeben. Wie ist der Stand für Emden im Ausland?

Etwa im Fall der zwei Bellottos wurde durch die Untersuchungskommission ohne Wenn und Aber bestätigt, dass Max Emden trotz seiner Schweizer Staatsbürgerschaft von den deutschen Behörden als deutscher Jude verfolgt wurde. Die zwei Bilder wurden folglich an die heutigen Erben rückerstattet. In den USA gibt es noch einen anhängigen Streit um das dritte Bild dieser Reihe.

Trifft es zu, dass die Emden-Erben das Bild zwar im Kunsthaus belassen, aber den Marktwert dafür erhalten möchten?

Ja, die Familie will zwei Dinge erreichen: Dass es tatsächlich eine faire und gerechte Lösung nach den Washingtoner Prinzipien gibt, und dass die Erinnerung an Max und Hans-Erich Emden in der Schweiz so weit aufgearbeitet wird, dass die Rolle, die Max Emden auch im Tessin für die Kultur um ihn herum und seine Philosophie für die Inseln, klargestellt wird. Damit soll auch die Erinnerung an ihn in Zürich erhalten werden.

Es geht also nicht nur um Geld.

Es geht auch darum, dass es eine Bührle-Stiftung gibt, die für sich nicht klar erklärt, ob sie sich den Washingtoner Prinzipien unterstellt oder nicht und wie sie generell mit Fällen dieser Art umgehen will. Sie behauptet ja auch, dass sie keine Mittel hat, um irgendeine finanzielle Lösung herbeizuführen, und zu einer Rückgabe hat sie sich bislang nicht geäussert. Die Fakten, die seit einem halben Jahr auf dem Tisch liegen, haben nicht dazu geführt, dass die Stellungnahmen des damaligen Direktors, Herrn Gloors, im Internet auch nur berichtigt worden wären.

Hat sich denn die Rechtssituation mit dem Übergang der Bilder ins Kunsthaus grundsätzlich geändert?

Nein, denn es entscheidet weiterhin allein die Bührle-Stiftung darüber, wie sie mit dem Bild in Bezug auf Ansprüche ehemaliger Eigentümer umgeht. Die einzige Einflussmöglichkeit des Kunsthauses, der Stadt Zürich und des Kantons besteht darin, zu bestimmen, dass dieses Werk aus der Ausstellung im Kunsthaus verschwindet. Das wäre, aus meiner Sicht, weder im Sinne der Satzung der Stiftung noch im Sinne des Kunsthauses.

Wobei ein Verschwinden des Bildes aus der Ausstellung ja auch keine Lösung herbeiführen würde.

Richtig. Denn dann besteht weiterhin die moralische Verpflichtung der Stiftungsräte, der Verantwortung gerecht zu werden, die sie aus der Geschichte ihres Stifters haben. Das heisst, dass einerseits die Herkunft des Geldes, mit dem bezahlt worden war, und die Art und Weise, wie erworben worden war, für die Zusammensetzung des Konvoluts und der Verpflichtung, dieses in Zürich auszustellen, immer noch eine Rolle spielen müssen.

Macht es in der Sache einen Unterschied, woher das Geld kam, das Bührle für den Kauf verwendet hat?

Für mich macht es einen Unterschied in der Frage der moralischen Belastbarkeit einer solchen Stiftung. Für die Beurteilung des Falls allerdings macht es grundsätzlich keinen Unterschied, denn aus der Perspektive des Opfers geht es allein darum, was dem Opfer entgangen und was ihm zugeflossen ist.

Letztlich geht es für die Familie Emden dann aber doch auch um eine Geldforderung.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt das Bild zurück, oder man einigt sich finanziell. Wobei das Zweite den Vorteil hat, dass nicht unbedingt 100 Prozent des Marktwerts gezahlt werden müssen. Bei einer Rückgabe müsste die Familie entscheiden, ob das Bild letztlich in Zürich verbleibt.

Was gibt es für eine Hebelwirkung, wenn keine wirklichen Rechtsansprüche bestehen, sondern lediglich «Soft Law»?

Die Schweiz als Staat hat sich ja verpflichtet, alles in ihren Möglichkeiten Stehende zu tun, damit Kunstwerke, die zurückgegeben hätten werden müssen, heute einer Lösung zugeführt werden. Für mich heisst das, dass ich Kanton und Stadt auf meiner Seite wähne, soweit es um eine Lösung geht, die mit der Bührle-Stiftung zustande kommen soll, was auch für andere ihrer Werke gilt, sofern Ansprüche gestellt werden. Im Zweifelsfalle hiesse das eben doch, dass irgendwann eine Kommission darüber entscheiden muss, ob ein solcher Anspruch besteht, und wenn ja, muss die Bührle-Stiftung aus moralischer Verpflichtung umsetzen. Ich gehe davon aus, dass das auch von der Öffentlichkeit so gewollt wird.

Dann könnten Sie ja einfach warten, bis eine solche Kommission berufen wird.

Der erste Schritt, den ich im Moment erreichen will ist, dass man die Fakten erst einmal anerkennt und richtigstellt. In einem zweiten Schritt halte ich es für möglich, dass man auf Grundlage der jetzigen Fakten mit der Bührle-Stiftung, dem Kunsthaus, der Kunstgesellschaft und der Stadt Zürich zu einem Ergebnis kommt.

Bis jetzt ist das aber noch nicht der Fall.

Das hängt damit zusammen, dass sowohl Kunsthaus wie Kunstgesellschaft neue Leitungen bekommen haben, die erst im Oktober voll handlungsfähig sind. Die Richtung, nämlich dass aufgearbeitet werden soll, ist zwar schon klar, aber es ist nicht klar, was jetzt konkret passieren soll. Was sicher nicht passieren darf, ist, dass alle befangenen Bilder bezeichnet und abgehängt werden und dann einfach in den Kellern der Stiftung verschwinden.

In nächster Zeit soll ein Gespräch mit allen Beteiligten stattfinden. Was wollen Sie dabei erreichen?

Ich will eine klare Positionierung des Kunsthauses und der Kunstgesellschaft, wie sie mit spezifisch diesem Fall umzugehen gedenken. Ich denke, dass wir in der Lage sein werden, eine Lösung zu finden. Wir wissen ja alle, dass wir mit den Restitutionsfällen 80 Jahre hinterherhinken und deshalb auch schnelle Lösungen gute Lösungen sind.

Wobei es für die Familie angesichts des Marktwertes des Bildes ja keinen Grund gibt, einzuknicken.

Das passiert allerdings ständig, und insbesondere in jenen Ländern, die eben nicht durch eine Kommission die Möglichkeit haben, den Fall öffentlich und transparent abzuwickeln, sondern wo man darauf angewiesen ist, mit einem Museum direkt zu verhandeln – im Wissen, dass man weder rechtlich noch moralisch eine Alternativlösung hat.

Es gab in den letzten Jahren in der Schweiz verschiedene Fälle fragwürdiger Sammlungen: Gurlitt in Bern, Glaser in Basel und Bührle in Zürich. Wäre es anderswo in Europa möglich, dass solche Sammlungen angenommen und ausgestellt würden?

Es gibt durchaus auch anderswo solche Fälle, beispielsweise in Madrid mit der Thyssen-Bornemisza-Sammlung. In der Häufung ist es wahrscheinlich in der Schweiz einmalig, was tatsächlich mit dem Geschichtsverständnis der eigenen Rolle gegenüber Flüchtenden und der Nachkriegsgeschichte zusammenhängt.

English translation:

Since January, the lawyer Olaf Ossmann has been representing the heirs of the art collector Max Emden in Switzerland and thus vis-à-vis the Bührle Foundation and the Kunsthaus Zürich - a conversation about perspectives and approaches to solutions.

tachles: As a lawyer, you are an expert on looted art, restitution and provenance. In your view, how does Switzerland stand within Europe when it comes to looted art connoted with the Holocaust?


Olaf Ossmann: As a neutral country, Switzerland had a special role in Europe during the war, because even in the post-war period it had to be forced to hand over works that had been confiscated directly by the Germans. Otherwise, it always retreated to classical civil law, according to which cases could not actually occur in Switzerland because persecuted persons acted here as normal subjects of civil law. This ignored the fact that persecution in Germany and the occupied territories continued to have an effect from the perspective of the persecuted. In Switzerland, too, they were not in a position to provide for themselves and were therefore forced to conclude certain contracts at the prices dictated to them in order to be able to travel on from Switzerland, which was purely a transit country.

What does this mean in concrete terms in connection with the "Washington Principles" signed by Switzerland in 1998?

The problem for Switzerland was to even understand what these principles meant, because as a neutral state it was not involved in the post-war jurisdiction of the Allies. However, at the latest through the Terezín Agreements of 2008, it was clearly imposed that forced sales are considered as such, regardless of the situation, as long as the seller is persecuted. After 2008, Switzerland's internal information was adapted to this and it was stated that valuables on third markets can also fall under the term "forced situation".

Switzerland was a hub for expropriated and confiscated looted art before, during and after the Second World War.

Yes, in the beginning there were several such hubs, but then they disappeared because of the territorial conquests by the Nazis. Amsterdam, for example, was a hub, which explains why Dutch art dealers later moved to Switzerland. German Jews could not sell in Germany because they needed foreign currency, not Reichsmarks, to escape, and any proceeds would almost certainly have ended up in an inaccessible blocked account. In the end, only Switzerland remained.

In many countries, but not in Switzerland, expert commissions have been set up to assess art in public institutions. A motion is now setting in motion the establishment of a commission. But unlike in other countries, the government has to be literally pushed into it.

Switzerland still holds the view that what it defines as escape art, because it did not take place in the area of National Socialist access, is precisely not looted art and must be considered separately. In my view, however, escape art is a purely historical and not a legal category, because it does not take into account that the seller was still on the run and that this only ended when the reason for persecution - the "Third Reich" - was over. This applies throughout the period from 1933 to 8 May 1945.

Have art objects - unknown to you - already been restituted?


No, and a commission should only be formed if there are claims in Switzerland. I see it the other way round: as long as no commission is formed, there will be no claims because there is no meaningful place to enforce them.

However, the "Washington Principles" require the establishment of a commission.


There are two possibilities: to establish a commission or to make a law. Austria has done the latter. In any case, the first hurdle to overcome everywhere was to exempt public collections from the obligation not to release anything. The second sticking point was to install an independent body that enjoys the trust of both sides. Switzerland, too, needs a commission with sufficient parity to give claimants any chance at all of seeing their case judged fairly and exclusively according to the Washington Principles.

Now, however, such a commission is to be formed on the basis of a politician's motion.


Correct, but unfortunately the two chambers removed the sphere of influence from the motion and left it open. This still raises the question of what the horizon of consideration actually is: again, only the decisions of the German authorities during the war, or, in accordance with the Washington Principles, all sales by persecuted persons during the Nazi era.

The "round table" on the Bührle Collection is currently in session. Kunsthaus President Philipp Hildebrandt called it an unnecessary diversions.


Hildebrandt is right. This is all an unnecessary delay.

Since January, you have been representing the grandchildren of Max Emden as their lawyer, who are claiming, among other things, the poppy painting by Monet in the Bührle Collection. Why only now?

Even in the post-war period, there was no legal basis for cases of this kind in Switzerland. This was because, on the one hand, the question of acquisition in good faith and, on the other, the statute of limitations would have prevented a legal claim. At that time, the Washington Agreements of 1946/47 only covered works of art that had been confiscated by German authorities between 1933 and 1945. Even among these, there are only a handful of cases where the legal process would have made any sense at all.

And does it make sense for the Monet painting?

In December 2021, one of Max Emden's grandchildren approached me with the question of the extent to which it still made sense at all to make claims in Switzerland. I told him that, firstly, it made sense to take care of it and, secondly, that I would once again do a basic search of all the records. I then did the latter; it concerned Hans-Erich Emden's situation at the time of his father Max's death and the subsequent sale of the Poppies and some other paintings that came onto the market via Mr Feilchenfeldt.

The paintings in the Bührle collection only came under the "Washington Principles" when they were transferred to the Kunsthaus. They had previously been in Bührle's private museum. Even internal agreements or the old loan contract would not protect against this.

That's basically true. It must also be said that Bührle was one of only a small handful of potential buyers for this type of painting in Switzerland at the time. If you also consider that Hans-Erich Emden had a Swiss residence permit that was limited to a maximum of three months, you know how much pressure he was under to sell. Add to that the fact that he had to carry a burden with the Brissago Islands, which are often presented as a fortune. After all, he had to provide their administration with sufficient funds for taxes, operating costs, etc. before he fled. So he had no choice at all, and as a 29-year-old whom his father had never initiated into the affairs of art, he blindly trusted the art dealers.

How is it judged today whether Hans-Erich Emden had to sell the paintings below value at the time?

On the one hand, it was obviously not a voluntary decision on his part in 1940/41 to break up and sell his father's remaining art collection. On the other hand, at least in Switzerland, there was no longer a market at that time that would have allowed truly market-driven prices to be achieved. Thirdly, in contrast to other sales, there is no proof of the sum actually paid to Emden at the time. The price paid by Bührle is roughly half the market price, and Emden apparently received only half of that again - if that.

Can it be argued that Bührle bought in good faith and simply negotiated normally?


It is one of the basic problems of our cases that at that time two legal subjects were facing each other who were not acting on the same level. The Jewish persecutee in transit who was under pressure cannot be seen on an equal footing with an industrialist like Mr. Bührle, who was free to decide whether to buy or not and to offer his price for the painting. Emden would have had to accept practically any bid because Bührle was the only remaining interested party for the painting. This also means that the burden of proof - which exists in such cases - for the free decision lies with the other party. But the other party has neither proof of what it paid in the first place, nor when it paid it and whether it was reasonable, and accordingly it cannot have been an autonomous legal transaction in the civil law sense.

In Germany, Holland, Belgium, pictures are regularly returned to victim families. What is the status for Emden abroad?

In the case of the two Bellottos, for example, the investigation commission confirmed without any ifs or buts that Max Emden was persecuted by the German authorities as a German Jew despite his Swiss citizenship. The two paintings were consequently restituted to the present heirs. In the USA, there is still a pending dispute about the third painting in this series.

Is it true that the Emden heirs want the painting to remain in the Kunsthaus but want to receive the market value for it?

Yes, the family wants to achieve two things: That there is indeed a fair and equitable solution according to the Washington Principles, and that the memory of Max and Hans-Erich Emden in Switzerland is reappraised to such an extent that the role Max Emden played in the culture around him and his philosophy for the islands, even in Ticino, is made clear. This should also preserve the memory of him in Zurich.

So it's not just about money.


It is also about the fact that there is a Bührle Foundation that does not clearly explain for itself whether it submits to the Washington Principles or not and how it generally wants to deal with cases of this kind. It also claims that it has no means to bring about any kind of financial solution, and so far it has not said anything about restitution. The facts that have been on the table for half a year have not led to even a correction of the statements of the then director, Mr. Gloors, on the Internet.

Has the legal situation changed fundamentally with the transfer of the pictures to the Kunsthaus?


No, because it is still the Bührle Foundation alone that decides how to deal with the painting in relation to claims by former owners. The only possibility for the Kunsthaus, the city of Zurich and the canton to exert influence is to determine that this work disappears from the Kunsthaus exhibition. In my view, that would be neither in the spirit of the foundation's statutes nor in the spirit of the Kunsthaus.

But the disappearance of the painting from the exhibition would not bring about a solution.

Correct. Because then the moral obligation of the foundation's board members to live up to the responsibility they have from the history of their founder would still exist. This means that, on the one hand, the origin of the money that was used to pay and the way it was acquired must still play a role in the composition of the collection and the obligation to exhibit it in Zurich.

Does it make a difference in the matter where the money came from that Bührle used for the purchase?

For me, it makes a difference in the question of the moral resilience of such a foundation. For the assessment of the case, however, it makes no difference in principle, because from the victim's perspective it is only a question of what the victim lost and what he received.

Ultimately, however, the Emden family is also concerned with a monetary claim.


There are two possibilities: Either the painting is returned or a financial settlement is reached. The second option has the advantage that 100 per cent of the market value does not necessarily have to be paid. In the case of a return, the family would have to decide whether the painting would ultimately remain in Zurich.

What leverage is there if there are no real legal claims, but only "soft law"?

After all, Switzerland as a state has undertaken to do everything in its power to ensure that works of art that should have been returned are resolved today. For me, this means that I consider the canton and the city to be on my side as far as a solution is concerned that is to be reached with the Bührle Foundation, which also applies to other of its works, provided that claims are made. In case of doubt, this would mean that at some point a commission would have to decide whether such a claim exists, and if so, the Bührle Foundation would have to implement it out of moral obligation. I assume that this is also what the public wants.

Then you could simply wait until such a commission is appointed.

The first step I want to achieve at the moment is that the facts are first acknowledged and set right. In a second step, I think it is possible to come to a conclusion with the Bührle Foundation, the Kunsthaus, the Kunstgesellschaft and the City of Zurich on the basis of the current facts.

So far, however, that has not been the case.

This is due to the fact that both the Kunsthaus and the Kunstgesellschaft have new directors who will not be fully capable of acting until October. The direction, namely that the work should be done, is already clear, but it is not clear what should happen in concrete terms. What certainly must not happen is that all the biased pictures are labelled and taken down and then simply disappear into the basement of the foundation.

A discussion is to take place in the near future with all those involved. What do you want to achieve in the process?

I want a clear positioning of the Kunsthaus and the Kunstgesellschaft on how they intend to deal with this case specifically. I think we will be able to find a solution. We all know that we are 80 years behind with restitution cases and that quick solutions are therefore good solutions.

In view of the market value of the painting, there is no reason for the family to give in.

This happens all the time, however, and especially in those countries that do not have the possibility of handling the case publicly and transparently through a commission, but where one is dependent on negotiating directly with a museum - in the knowledge that one has neither a legal nor a moral alternative solution.

There have been several cases of questionable collections in Switzerland in recent years: Gurlitt in Bern, Glaser in Basel and Bührle in Zurich. Would it be possible elsewhere in Europe for such collections to be accepted and exhibited?

There are certainly such cases elsewhere, for example in Madrid with the Thyssen-Bornemisza collection. It is probably unique in Switzerland in the way it is accumulated, which is actually connected to the historical understanding of one's own role vis-à-vis refugees and post-war history.
 


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