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Internet-Offensive: Gurlitt-Anwälte fordern Bilder zurück - Internet Offensive: Gurlitt lawyers call for pictures to be returned

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Der Spiegel 17 February 2014
 

  

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Cornelius Gurlitt: "Ich habe nur mit meinen Bildern leben wollen"

Hat die Staatsanwaltschaft Augsburg im Fall Gurlitt rechtmäßig gehandelt? Auf einer Internetseite erheben die Anwälte des Kunsthändlersohns Vorwürfe gegen die Ermittler und fordern die Werke zurück. Nur bei einem Bruchteil der Bilder bestehe überhaupt Raubkunstverdacht.

Hamburg - "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstinteressierte." Mit dieser Anrede wendet sich Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt erstmals seit Monaten selbst zu Wort. "So viel ist in den vergangenen Wochen und Monaten passiert und passiert noch immer. Ich habe nur mit meinen Bildern leben wollen, in Frieden und in Ruhe", schreibt der 81-Jährige auf der neu eingerichteten Internetseite www.gurlitt.info. Auf dieser fordern seine Anwälte, dass die Bilder an ihren Mandanten zurückgegeben werden - und kritisieren das Vorgehen der Behörden.

Gurlitt sei der rechtmäßige Besitzer fast aller Bilder, betonen sie. Anwalt Hannes Hartung kritisiert, dass das Vorgehen gegen seinen Mandanten im Vergleich mit anderen Sammlungen nicht in Ordnung sei. "In Deutschland gibt es viele öffentliche und private Sammlungen, in welchen der Anteil an potentieller Raubkunst viel höher ist als in der Sammlung Gurlitt - für diese Sammlungen und die dort verantwortlichen Museumsdirektoren gibt es jedoch augenscheinlich keine Sanktionen."

Nur bei drei Prozent der 1280 Werke aus dem spektakulären Schwabinger Kunstfund gebe es derzeit den Verdacht, es könne sich um Nazi-Raubkunst handeln, so Hartung weiter - und widerspricht damit der Taskforce "Schwabinger Kunstfund", die die Herkunft der Bilder im Auftrag der ermittelnden Staatsanwaltschaft Augsburg klären soll. Diese geht von knapp 600 verdächtigen Bildern aus. Experten halten diese Zahl allerdings für zu hoch angesetzt.

Museen sind interessiert

Nach wie vor unklar ist, auf welcher gesetzlichen Grundlage die Kunstwerke bislang bei der Staatsanwaltschaft Augsburg verblieben sind. Sie ermittelt unter dem Aktenzeichen 503 Js 119036/11 seit rund zwei Jahren wegen Steuerhinterziehung gegen Gurlitt. Nun wächst jedoch nach SPIEGEL-Informationen der Druck auf die Strafverfolger. Auch im bayerischen Justizministerium mehren sich Zweifel am Vorgehen gegen Gurlitt. So hat das Ministerium angefragt, ob die Ermittler ihm überhaupt strafbares Verhalten vorwerfen könnten.

"Cornelius Gurlitt war zu jeder Zeit überzeugt davon, von seinem Vater eine Sammlung geerbt zu haben, die im Wesentlichen aus der sogenannten 'entarteten Kunst' aus vormals deutschem Reichseigentum in öffentlichen Sammlungen und Museen besteht", heißt es auf der Internetseite. "Cornelius Gurlitt war nicht bekannt, dass sich in seiner Sammlung auch vereinzelt Gegenstände befinden, welche heute als Raubkunst qualifiziert werden könnten." Ihr Mandant sei bereit, qualifizierte, nachvollziehbare und berechtigte Rückgabeansprüche von Erben jüdischer Verfolgter zu prüfen. Dies sei eine "freiwillige, moralisch fundierte Selbstverpflichtung von Cornelius Gurlitt".

Derzeit gebe es mit sechs Anspruchsstellern Verhandlungen. "Mehr haben sich bis dato nicht bei uns gemeldet." Derzeit gehe es vor allem um die Bilder "Femme assise" von Henri Matisse, Max Liebermanns "Zwei Reiter am Strand" sowie um die Sammlung Dr. Glaser aus Dresden.

Inzwischen haben auch deutsche Museen ihr Interesse an Bildern aus der umstrittenen Kunstsammlung bekundet. Für die als "entartete Kunst" bezeichneten Sammlungsbestandteile lägen derzeit Rückkaufangebote vor, teilten die Anwälte mit. Gurlitt sei bereit, diese zu prüfen. Ihm gehe es aber in erster Linie darum, die Sammlung seines Vaters zu erhalten und zu bewahren.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gurlitt-anwaelte-fordern-bilder-zurueck-a-953970.html
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