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Fall Gurlitt: Forderungen von Nazi-Opfern: Gurlitt Case: Claims of Victims of Nazis

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ORF 13 February 2014

(English summary below) Die Jewish Claims Conference fordert nun den Kunstsammler Cornelius Gurlitt zur Veröffentlichung einer genauen Liste der in seinem Salzburger Haus gefundenen Kunstwerke auf. Es geht um mehr als 60 Gemälde und darum, ob Raubkunst dabei sei, die Nazis ihren Opfern stahlen?

„Der neue Fund muss öffentlich gemacht werden“, sagte Ruediger Mahlo, Repräsentant der Jewish Claims Conference (JCC) in Deutschland am Donnerstag in Frankfurt am Main. Die JCC vertritt in weiten Teilen der Erde die Interessen von Nachkommen jener Menschen, denen die deutschen und österreichischen Nationalsozialisten ihren Besitz stahlen - inklusive vieler Kunstwerke, die zum Teil bis heute verschollen sind.

Voraussetzung für jede Restitution an rechtmäßige Besitzer sei die Offenlegung, so Mahlo. Anders könnten Überlebende und deren Familien keine Ansprüche auf aus ihrem Besitz stammende Kunstwerke anmelden.

Gurlitts Sprecher bestritt Raubkunst-Verdacht

Gurlitts amtlicher Betreuer hatte zuvor mitgeteilt, dass der Sohn des im Nationalsozialismus mit dem Kunsthandel beauftragten Hildebrand Gurlitt außer in München auch in Salzburg Kunstwerke verwahrte. Es soll sich um mehr als 60 Bilder handeln, darunter Werke von Monet und Picasso. Eine erste Sichtung habe ergeben, dass es keine NS-Raubkunst sei, hatte Gurlitts Sprecher erklärt. Man könne es nicht ausschließen, auf entsprechenden Fahndungslisten seien die Bilder aber nicht aufgetaucht.

Ausstellung von 1954 mit NS-Beute?

Weitere Infos zu den in Salzburg gefundenen 60 Bildern sollen in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Gurlitt hatte bis 2011 in dem heruntergekommen wirkenden Haus in Salzburg gewohnt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichteten am Donnerstag von einer Ausstellung im Museum Folkwang in Essen im Jahr 1954: Gurlitts Vater Hildebrand Gurlitt, einer der Kunsthändler Adolf Hitlers, hatte demnach Werke von Monet, Gauguin oder Renoir an das Museum ausgeliehen. Das Museum Folkwang bestätigte, dass Renoirs Werk „Die Familie des Malers im Wald von Louveciennes“ damals in der Ausstellung zu sehen war.

Ob diese Bilder unter den rund 60 sind, die nun in Salzburg gefunden wurden, ist noch unklar. Gurlitts Sprecher nannte lediglich Werke von Picasso, Monet, Manet und Renoir - ohne Details mitzuteilen. Um Nazi-Raubkunst handle es sich nach erster Einschätzung nicht. „Wir können es nicht ausschließen“, sagte Holzinger zwar, auf entsprechenden Fahndungslisten seien die Bilder aber nicht aufgetaucht. Gurlitts Anwalt Hannes Hartung, der die Sicherstellung der Bilder veranlasst hatte, habe auch Kunstexperten hinzugezogen, sagte Holzinger.

600 Bilder mit Verdacht auf Raubgut

Auch bei den mehr als 1.000 Bildern aus Gurlitts Münchner Wohnung, die im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgten, besteht nach Einschätzung der Gurlitt-Vertreter nur bei ein bis drei Prozent ein Verdacht auf Nazi-Raubkunst. Die Berliner Taskforce geht von rund 600 Bildern aus, die auf den Verdacht hin genau überprüft werden müssen.

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) sieht in dem Salzburger Fund einen weiteren Beleg für eine notwendige Gesetzesänderung in Deutschland. Am Freitag stellt er seine als „Lex Gurlitt“ bekanntgewordene Gesetzesinitiative zu Verjährungsfristen im Bundesrat vor. „Mein Vorschlag ist keine ‚Lex Gurlitt‘“, betonte Bausback. Es gehe um viel mehr als nur einen Einzelfall. „Die Bilder in Salzburg ändern an den Umständen zu dem Gesetzentwurf nichts. Sie unterstreichen aber vielleicht dessen Notwendigkeit und die Bedeutung, die diese Fragestellung hat.“

English Summary:
The Claims Conference  has called for the publication of a list of the 60 artworks including paintings by Renoir, Monet and Manet, found in the Gurlitt house in Salzburg. "The new discovery must be made ​​public," said Ruediger Mahlo, representative of the Jewish Claims Conference (JCC ) in Germany on Thursday in Frankfurt am Main.

On Thursday the Süddeutsche Zeitung and the Frankfurter Allgemeine Zeitung reported that an exhibition was held at the Folkwang Museum in Essen in 1954 at which Gurlitt's father, Hildebrand Gurlitt, lent works by Monet, Gauguin and Renoir
. The Museum confirmed that Renoir's work, 'The family of the painter in the forest of Louveciennes' was in the exhibition.

http://salzburg.orf.at/news/stories/2630907/
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