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Fall Gurlitt verschafft Dresdner Expertentagung der Staatlichen Kunstsammlungen große Resonanz - Gurlitt Case raises Attendee Numbers at Symposium at the Dresden State Art Collections

1970
1945
Döbelner Allgemeine 2 December 2013
  • Ein Sterbekärtchen, das den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt zeigt. Foto: Rolf Vennenbernd
    Ein Sterbekärtchen, das den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt zeigt. Foto: Rolf Vennenbernd
Dresden. Der Fund der Bildersammlung des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895-1956) verschafft auch einer Fachtagung in Dresden unerwartete Aufmerksamkeit. Die Anmeldezahlen für das Symposium der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zur Provenienzforschung Ende dieser Woche schnellten in die Höhe. „Das Interesse ist plötzlich sehr groß“, sagte Professor Gilbert Lupfer.

 Die Teilnehmerliste ist mit bisher 150 Namen fast doppelt so lang wie geplant. Kalkuliert worden war mit maximal 80 Personen, so dass der vorgesehene Vortragssaal gegen die größere Schlosskapelle getauscht werden musste.Die SKD nehmen seit 2008 ihren Millionenbestand an Kunstwerken genauer unter die Lupe. Bei dem einzigartigen, von Lupfer geleiteten Provenienzrechercheprojekt „Daphne“ werden Herkunft und Geschichte aller Kunstwerke erforscht und dokumentiert. Dabei beleuchten die Wissenschaftler auch die Zeit des Nationalsozialismus, als Hitlers Sonderauftrag für ein „Führermuseum“ an die hiesige Gemäldegalerie angebunden war.

Zwei ihrer Direktoren, Hans Posse (1879-1942) und Hermann Voss (1884-1969), leiteten die Organisation, die Kunstwerke für die nie realisierte Einrichtung in Hitlers Heimatstadt Linz beschaffen sollte.Anlass des Symposiums (5./6. Dezember) zur Forschung über Posse ist der 15. Jahrestag der Washingtoner Erklärung 1998 zum Umgang mit Kunst, die zwischen 1933 und 1945 entzogen oder beschlagnahmt wurde. In diese Zeit fiel der „Sonderauftrag Linz“. Kunsthistoriker Posse war ab 1939 als erster „Sonderbeauftragter“ mit dem Aufbau einer Sammlung für das geplante Museum in Hitlers Heimatstadt beauftragt.

Dazu betätigte er sich als Großeinkäufer auf dem internationalen Kunstmarkt, aber bediente sich auch an beschlagnahmtem Besitz jüdischer Sammler. „Dresden wurde durch ihn zu einem wichtigen Ort im NS-Kunstverschiebesystem“, heißt es in der Ankündigung.Posse arbeitete nicht vordergründig mit Kunsthändlern, sagt Lupfer. „Er hat sehr viel selbst gemacht.“ Auch wenn es um die NS-Zeit gehe, seien Verbindungen zwischen Posse und Hildebrand Gurlitt, einem von vier Kunsthändlern Hitlers, nicht Thema der Konferenz.

„Sicher werden Referenten etwas dazu sagen, aber am Rande.“ Denn mit Birgit Schwarz aus Wien, die zum „Führermuseum“ forschte, oder Professor Christoph Zuschlag aus Koblenz treffe sich schon hochkarätige Kompetenz in Sachen „Entartete Kunst“ und Provenienzforschung zum Austausch. „Es ist aber keine Gurlitt-Tagung.“Gurlitt-Sohn Cornelius steht seit Wochen wegen der Kunstsammlung seines Vaters im Fokus. Die Behörden hatten im Frühjahr 2012 insgesamt 1280 Bilder aus der Münchner Wohnung des 80-Jährigen beschlagnahmt. Viele Werke stehen im Verdacht, Nazi-Raubkunst gewesen zu sein, weitere könnten von den Nazis als „Entartete Kunst“ diffamiert und aus Museen entfernt worden sein. Der Fall löste eine neue Debatte über den Umgang mit NS-Raubkunst aus und brachte die Provenienzforschung auch auf die politische Agenda.


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