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Ausgleichszahlung für eine NS-verfolgungsbedingt entzogene Augsburger Goldschmiedearbeit der Kunstsammlungen Augsburg

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1945
Stadt Augsburg 25 March 2013

Die Stadt Augsburg leistet mit tatkräftiger Hilfe privater Mäzene eine Ausgleichszahlung für ein bedeutendes Kunstwerk der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Es handelt sich dabei um ein von den Nationalsozialisten entzogenes Kulturgut der jüdischen Sammlerin Emma Ranette Budge.


Silbervergoldete Zierschale in Form einer Muschel aus dem Nachlass der Emma Ranette Budge / Fotograf: Dr. Christoph Emmendörffer

Im Besitz der Stadt Augsburg befindet sich ein silbervergoldetes Ziergefäß (Inv. Nr. 9179) in Form einer Muschel, welches sich ursprünglich in der Budge-Sammlung befand. Emma Ranette Budge, geb. Lazarus, die am 17. Februar 1852 in Hamburg geboren wurde, entstammte einer wohlhabenden jüdischen Hamburger Kaufmannsfamilie. Sie war eine leidenschaftliche Sammlerin und trug im Laufe ihres Lebens eine wertvolle Kollektion von Gemälden, Porzellan, Kleinplastiken, Textilien, Silber- und Bronzegeräten zusammen. Sie verstarb am 14. Februar 1937 in Hamburg und ihre Sammlung wurde, nachdem die Reichskulturkammer die Versteigerung zuvor genehmigt hatte, vom 4. bis 6. Oktober bzw. vom 6. bis 7. Dezember 1937 beim Auktionshaus Lange in Berlin versteigert.

Im Hinblick darauf, dass die Erben von Emma R. Budge als Juden vom national-sozialistischen Deutschland rassisch verfolgt wurden und sie die Budge-Sammlung deshalb verfolgungsbedingt verloren haben, wurde zwischen den Erben und der Stadt Augsburg auf der Grundlage der Washingtoner Erklärung vom 3. Dezember 1998, der Gemeinsamen Erklärung vom 14. Dezember 1999 und der Handreichung vom Februar 2001 eine für beide Seiten faire und gerechte Lösung gefunden.

Die Stadt Augsburg leistet an den Testamentsvollstrecker eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 90.000 Euro. In seiner gestrigen Sitzung hat der Augsburger Stadtrat diesem Vorschlag des Bürgermeisters und Kulturreferenten Peter Grab zugestimmt. „Nach Auffinden eines NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts freue ich mich, dass sich die Stadt Augsburg mit den Erben einigen konnte und das silbervergoldete Ziergefäß nun in den Besitz der Stadt übergeht“, so Peter Grab. „Für mich stand von Beginn an außer Frage, allein schon aus moralischen Gründen eine gütliche Einigung mit den Erben zu erzielen.“

Die Summe wird hälftig aus Mitteln des städtischen Friedrich-Prinz-Fonds, einer Stiftung zur Verschönerung der Stadt Augsburg sowie von honorigen privaten Augsburger Mäzenen aufgebracht. Die um 1690 vom Augsburger Goldschmied Moritz Mittnacht gefertigte Ziermuschel stellt ein signifikantes Objekt der Augsburger Goldschmiedekunst sowie der Epoche, in der sie gefertigt wurde, dar. Sie ist ein wichtiges Zeugnis aus der Zeit des Großen Türkenkrieges. Damals spielte Augsburg als Reichsstadt und Goldschmiede-Metropole eine zentrale Rolle in der Politik der Habsburger Kaiser, wie das Beispiel des von Kaiser Leopold I. nach Augsburg einberufenen Kurfürstentags von 1689/90 zeigt. Aus kunsthistorischen und stadtgeschichtlichen Gründen ist der dauerhafte Verbleib der Ziermuschel sehr erfreulich. "Es ist uns eine große Freude, dass die durch unsere Eigeninitiative gestartete Provenienzforschung so erfolgreich abgeschlossen werden kann. Der kunsthistorisch bedeutende Pokal wird somit unsere Gold- und Silberschmiedeabteilung im Maximilianmuseum weiterhin dauerhaft bereichern", erklärt der Leiter der Kunstsammlungen und Museen Dr. Christof Trepesch.

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