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Vorbereitung Restitution Hans Sternheim - Restitution of Hans Sternheim books in preparation

1970
1945
Staats- und Universit├Ątsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky 4 July 2019
Anneke de Rudder
Name: Hans Sternheim
Daten: geb. 11.7.1880 in Berlin, deportiert 4.11.1942, ermordet vermutlich November 1944
GND: -
Links:
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/haus ...
http://archive.pamatnik-terezin.cz/vyhledavan ...
https://www.berlinstreet.de/1516

Fallbeschreibung:
Auf der Hauswedell-Auktion Nr. 21 (17./18. Mai 1939) kaufte die Bibliothek der Hansestadt Hamburg (heutige SUB) beim Hamburger Auktionshaus Hauswedell 78 Bücher. 39 von ihnen stammen laut Auktionskatalog von Einlieferer Nr. 12,  „St. In Berlin“ und sind aus „nicht-arischem Besitz“. Das Einliefererkürzel konnte aufgelöst werden; es handelt sich um Hans Sternheim aus Berlin. Nur noch Reste dieses Ankaufs sind heute in der SUB vorhanden: Fünf Bücher sind eindeutig zuzuordnen.

Jacob Hans Sternheim wurde 1880 in eine Berliner Bankiersfamilie geboren. Die Sternheims waren enge Freunde der Familie Fontane. Sie traten schon im 19. Jahrhundert vom Judentum zum Protestantismus über. Für ihren jüngsten Sohn Hans übernahm Theodor Fontane die Patenschaft; die beiden blieben bis zu Fontanes Tod 1898 in enger Verbindung. Hans Sternheim war Druckereibesitzer, Vorsitzender des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer e.V. und des Reichsschiedsamtes der Deutschen Buchdrucker. Er heiratete die aus Hamburg stammende Ida Marie Eschwege, 1906 wurde ihre Tochter Käthe geboren. Als Freund des besonderen Buches war Sternheim Mitglied im ‚Bibliophilen-Abend“ und in der „Maximilian-Gesellschaft Berlin“ sowie Mitbegründer des „Fontane-Abends“.

1934 wurde Hans Sternheim als Geschäftsführer der Druckerei entlassen, für die er fast vierzig Jahre lang gearbeitet hatte. Bis ca. 1936 wohnten Hans und Ida Marie Sternheim, die in der NS-Zeit beide als „Volljuden“ verfolgt wurden, noch in ihrer langjährigen Wohnung in Berlin-Mitte. In den nächsten Jahren mussten sie drei Mal umziehen, in immer kleinere Wohnungen zusammen mit anderen NS-Verfolgten. Der Verkauf von Büchern über das Auktionshaus Hauswedell geschah in einer immer schwieriger werdenden finanziellen Lage und der erzwungenen Umzüge 1938/39. Es ist davon auszugehen, dass Hans Sternheim nicht mehr frei über den Erlös verfügen konnte.
Zum Zeitpunkt ihrer Deportation nach Theresienstadt am 4.11.1942 waren Hans und Ida Marie Sternheim mittellos. Im Oktober 1944 wurden sie weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihre Alleinerbin Käthe Mertens, die einen Nichtjuden geheiratet hatte, überlebte den Krieg. Deren 1929 geborene Tochter lebt bis heute in Berlin. Die bis jetzt in Potsdam und Berlin ermittelten Akten zeigen, dass zwar Entschädigungen für Vermögensschäden der Sternheims gezahlt wurden, aber nicht für den Haushalt oder speziell für Bücher.
Eine Restitution ist geplant – gern auch eine gemeinsame Restitution, falls noch andere Bibliotheken Bücher von Einlieferer Nr. 12 bei der Hauswedell-Auktion vom Mai 1939 in ihren Beständen finden sollten.


Umfang und Beschreibung der Objekte:
https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=1/SET=1/TT ...
https://kataloge.uni-hamburg.de/CHARSET=UTF-8 ...
https://kataloge.uni-hamburg.de/CHARSET=UTF-8 ...
https://kataloge.uni-hamburg.de/CHARSET=UTF-8 ... (A 1950/4671, mit Exlibris)
https://kataloge.uni-hamburg.de/CHARSET=UTF-8 ...

 

Quellen und Literatur:
Brandenburgisches Landeshauptarchiv, 36 A, Nr. 37340
Landesarchiv Berlin, B Rep. 025-03 Nr. 1357-1361/5
Otto Drude, Fontane und sein Berlin. Personen, Häuser, Straßen, Frankfurt/M und Leipzig 1998
Hans Sternheim: Verborgene Schätze auf dem Hängeboden, in: „Erschrecken Sie nicht, ich bin es selbst“. Erinnerungen an Theodor Fontane, hrsg. von Wolfgang Rasch und Christine Hehle, Berlin 2003
Robert W. Volz/Ferdinand Tönnies, Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft (RHG), Bd. 2, Berlin 1930
 
Rückgabe oder anderweitige Lösung: Angestrebt wird eine Rückgabe an die Enkelin von Hans Sternheim.

Zeitplan: Rückgabe Ende 2019.

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