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Die Rückgabe jüdischen Eigentums angebahnt

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Alles Lausitz 31 July 2018
 

Kai Wenzel und Robert Horning-Wistuba prüfen im Kaisertrutz Verzeichnislisten enteigneter Kunst. Foto: Klaudia Kandzia

Zwei Gläser und eine Fayence-Figur aus Tillowitzer Porzellan, die einen Mönch darstellt, sind die einzigen Stücke aus der einst berühmten Sammlung von Max Pinkus, einem Textilmagnaten aus Neustadt in Oberschlesien. Die drei Objekte gehören zur den neun NS-Raubkunstwerken, die bis zum 11. November in einer Präsentation innerhalb der Galerie der Moderne im Görlitzer Kaisertrutz zu sehen sind.

Görlitz. Am 23. Juli reiste Dr. Robert Horning-Wistuba aus New York City nach Görlitz, um sich diese drei Pinkus-Ausstellungsstücke anzusehen. Der Deutschamerikaner Horning-Wistuba ist vom letzten, noch lebenden Pinkus, der nach seiner Ausweisung aus Neustadt den Namen John Peeters angenommen hat, und dessen Kindern Helen und Anthony beauftragt worden, Kontakt mit den Städtischen Sammlungen in Görlitz aufzunehmen. Denn die NS-Raubkunstwerke sollen den enteigneten Besitzern zurückgegeben werden (der NSK berichtete).

„Es gibt einen Beschluss der Stadt Görlitz, die ja Eigentümerin dieser Stücke ist, dass die Objekte, von denen wir wissen, dass sie NS-Raubkunst und unrechtmäßig erworben sind, den Nachfahren der Familien zurückgegeben werden. Das ist der nächste Schritt, den wir nach dem Forschungsprojekt gehen werden“, versichert Kai Wenzel von den Städtischen Sammlungen. Mit dem Forschungsprojekt meint Wenzel die in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführte systematische Erforschung der Provenienzen (Besitzherkunft) jener Neuerwerbungen der Görlitzer Sammlungen. Im Ergebnis konnten 150 eindeutige Funde und fünf Verdachtsfälle festgestellt werden. Bei Letzteren ist die exakte Provenienz der Stücke anhand der Museumsunterlagen sowie weiterer Archivalien nicht mehr nachvollziehbar. Von den 150 Kunstgegenständen befinden sich nur noch neun Objekte in der Görlitzer Museumssammlung. Von diesen neun Stücken sind gleich drei aus der Max-Pinkus-Sammlung. „Zunächst gibt es auf dem Rechtsweg die Rückgabe und im zweiten Schritt würden wir gerne versuchen Stücke wieder anzukaufen zum heutigen Preis, weil die Objekte für unsere Sammlung und Ausstellung sehr wichtig sind“, so Wenzel. Horning-Wistuba ist sich ziemlich sicher, die Peters würden die Objekte wohl nicht zurückhaben wollen. „Helen ist Witwe und sehr vermögend, Anthony ist geschieden und etwas weniger vermögend, sie werden auch vom Vater viel erben. Sie haben auch keine Nachkommen und beide sind über 60, ich glaube es wird zu einer Einigung kommen“, ist sich der New Yorker sicher.

Dr. Robert Horning-Wistubas Vorfahren mütterlicherseits kommen aus Zülz (Biala) bei Neustadt (Prudnik). Mit 15 Jahren reiste er zum ersten Mal in die Heimat seiner oberschlesischen Oma. Es war in den 70er Jahren, als einerseits der eiserne Vorhang seine Schatten warf, andererseits damals noch fast alle Zülzer deutsch sprachen. „Als ich Neustadt besuchte, war ich fasziniert von den Villen und dem immer noch sichtbaren einstigem Reichtum der Stadt. Ich wollte wissen wem diese Villen und Fabrikgebäude gehörten. So bin ich auf die Geschichte der Fränkel-Pinkus-Familie aufmerksam geworden“, erinnert er sich. Dieses Thema ließ ihn nicht mehr los.
Nach der Wende reiste Horning-Wistuba jedes Jahr nach Oberschlesien. In New York hat für das in jüdischen Fragen tätige Leo-Baeck-Institut vielfältige Forschungen unternommen und ist in dieser Eigenschaft so auch zum Vertrauten und „Beauftragten“ des 97-jährigen John Peters aus der Schweiz geworden. Und bei jedem seiner Besuche in Neustadt hält er Vorträge im Neustädter Textilmuseum. „Das Museum hat vor aus diesen Vorträgen ein zweisprachiges Büchlein herauszugeben“, so Horning-Wistuba, der als Staublungenopfer der Anschläge vom 11.September 2001 in New York gesundheitlich gehandicapt ist. Bis es aber so weit ist, möchte er den Kontakt zwischen den Peters und Kai Wenzel vom Städtischen Museum arrangieren.

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