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Bomann-Museum Celle restituiert niederländisches Gemälde „Waldlandschaft“

1970
1945
Celler Presse 24 July 2018

CELLE. 77 Jahre nach der Beschlagnahmung in den Niederlanden kehrt ein Gemälde aus der Sammlung von Alfons und Hedwig Jaffé zu den Nachfahren des Ehepaares zurück



Ein niederländisches Gemälde aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde am 23. April 2018 durch Christopher Galler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bomann-Museums Celle, an Mitglieder der Familie Jaffé restituiert. Die Übergabe fand in den Räumlichkeiten der Commission for Looted Art in Europe in London statt, die seit vielen Jahren die Interessen dieser Familie vertritt.

Der Sammlerehepaar Alfons und Hedwig Jaffé lebte bis 1939 in Berlin und gehörte zu den angesehenen bürgerlichen Kreisen der Stadt. Alfons Jaffé war viele Jahre im Vorstand und Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft für Verkehrswesen tätig. Privat war er sehr interessiert an Kunst und Kultur und pflegte engen Kontakt zu Museumsdirektoren. Zwischen 1900 und 1935 trug er eine bedeutende Sammlung von Altmeistergemälden zusammen.

Als sich die Repressionen der Nationalsozialisten gegen die jüdische Bevölkerung immer weiter verschärften, verließ das Ehepaar 1939 Deutschland und emigrierte nach Großbritannien. Die Gemäldesammlung wurde unter großen finanziellen Aufwendungen zunächst in die Niederlande gebracht und dem städtischen Museum in Leiden als Leihgabe übergeben. Nachdem deutsche Truppen 1940 die Niederlande besetzten, wurde die Sammlung im folgenden Jahr beschlagnahmt.

Die sogenannte „Dienstelle Mühlmann“ veräußerte das Gemälde anschließend zu einem mehr symbolischen Preis von 400 RM an Heinrich Hoffmann, den Reichs-Bildberichterstatter der NSDAP. Dieser verkaufte es mit anderen Teilen seiner Kunstsammlung im Januar 1943 beim Berliner Auktionshaus Hans W. Lange. Hier ersteigerte es der Celler Museumsdirektor Albert Neukirch für 6.000 Reichsmark. Heinrich Hoffmann konnte es daher mit großem Gewinn weiterveräußern.

Nach dem Krieg bemühte sich die Familie Jaffé um die Rückgabe ihres geraubten Kunstbesitzes. Ein Teil davon befand sich bei Kriegsende noch in den Sammlungen von Hitler und anderer Nazigrößen und konnten von den Alliierten sichergestellt werden. Durch die Arbeit der Commission for Looted Art in Europe konnten in den vergangenen 20 Jahren immer wieder einzelne Werke der Sammlung gefunden werden, viele fehlen aber bis heute. Bereits in den 1950er Jahren wurde schon gezielt nach dem Gemälde „Waldlandschaft“ gesucht, was aber nicht zu einem Erfolg führte. Das Auffinden dürfte auch dadurch erschwert worden sein, dass sich die Künstlerzuschreibung seit 1943 geändert hatte. Während es zuvor als Werk Simon de Vliegers (1601–1653) galt, schrieb man es nun Anthonie Waterloo (1609–1690) zu.

Erst die 2016 mit Förderung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste begonnenen proaktiven Recherchen in Celle führten zur Entdeckung des Werkes in der Sammlung des Bomann-Museums. Unter anderem Archivunterlagen im Bundearchiv Koblenz und ein Etikett auf der Rückseite, das 1941 vom Museum in Leiden aufgeklebt worden war, ermöglichten eine eindeutige Identifizierung. Letzte Gewissheit bracht ein Foto aus einem Album der Familie Jaffé, dass von der Commission for Looted Art in Europe nach der Kontaktaufnahme mit dieser Organisation übermittelt wurde. Aufgrund der eindeutigen Ergebnisse beschloss die Stadt Celle die Restitution des Gemäldes an die Nachfahren von Alfons und Hedwig Jaffé.

Bomann-Museum Celle
Schloßplatz 7, 29221 Celle


https://celler-presse.de/2018/07/24/bomann-museum-celle-restituiert-niederlaendisches-gemaelde-waldlandschaft/
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