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Zukunft der Gurlitt-Taskforce ungewiss - Future of Gurlitt Task Force uncertain

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Sächsische Zeitung 2 October 2015
 

Die Arbeitsgruppe Schwabinger Kunstfund soll Nazi-Raubkunst in der Sammlung Gurlitt enttarnen. Sie hätte noch viel zu tun. Jetzt ist unklar, ob sie darf.


Eine wissenschaftliche Koordinatorin arbeitet in Berlin bei der Taskforce-Büros Kopien einer Renaissance-Tafel ab, die von dem Künstler Bartholomäus Spranger stammt oder nach ihm gemalt wurde.

Die Zukunft der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ zur Erforschung der umstrittenen Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt ist ungewiss. Die Vereinbarung, die als Grundlage für die Arbeit der Expertenkommission gilt, läuft Ende dieses Jahres aus. Über das weitere Vorgehen bei der Provenienzrecherche ist nach Angaben des bayerischen Kunstministeriums von gestern aber noch nicht entschieden.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag ließ das Ministerium die Zukunft des Gremiums offen: „Ob und in welcher Form die Provenienzrecherche nach dem 31.12. fortzusetzen ist, wird zu gegebener Zeit gemeinsam von der Bundesregierung und der Staatsregierung beraten und entschieden werden.“

Die Landtags-Grünen kritisierten den bisherigen Verlauf der Provenienzrecherche im Fall Gurlitt scharf. „Größer könnte die Blamage nicht sein“, sagte der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Sepp Dürr. „Geklärt ist so gut wie nichts. Die Taskforce war letztlich eine reine Alibi-Veranstaltung.“

Im Jahr 2012 waren rund 1 280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden, zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf. Die Taskforce um Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel wurde eingesetzt, um die Herkunft der Bilder, von denen einige Hundert unter Nazi-Raubkunstverdacht standen, zu klären. Zwei Gemälde aus der umstrittenen Kunstsammlung sind bislang zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgekehrt.

Insgesamt liegen der Taskforce nach Angaben des bayerischen Kunstministeriums 113 Ansprüche zu 104 Werken vor. Bei vier Kunstwerken wurde demnach festgestellt, dass und welcher Familie sie NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden. In Hunderten Fällen ist die Recherche noch nicht abgeschlossen.

Der im Mai 2014 gestorbene Gurlitt hatte seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern hinterlassen. Weil eine Cousine des Sammlers das Testament anficht, ist noch nicht klar, ob die Bilder nach Bern kommen können. Das Oberlandesgericht München hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob Gurlitt beim Verfassen seines Testaments Herr seiner Sinne war. Nach Angaben eines Gerichtssprechers liegt es noch nicht vor. Das Kunstmuseum Bern wollte sich nicht zu einem möglichen Aus für die Taskforce äußern. (dpa)

http://www.sz-online.de/nachrichten/kultur/zukunft-der-gurlitt-taskforce-ungewiss-3213675.html
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