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Raubkunst: R├╝ckgabe im Januar - Looted Art - Restitution in January

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1945
Berner Zeitung 22 December 2014
von Oliver Meier

Nach einigen Verzögerungen sollen Anfang Jahr drei Raubkunstwerke aus der Gurlitt-Sammlung zurückgegeben werden. In einem vierten Fall – Pissarros «Le Louvre, matin» – haben sich noch keine Erben gemeldet.

1/53 Im Fall des Werkes «Le Louvre, matin» (1902) von Camille Pissarro haben sich noch keine Erben gemeldet.

Seit Monaten ist von der Rückgabe von Raubkunstwerken aus der Sammlung Gurlitt die Rede. Zu einer Restitution ist es aber nie gekommen – auch nicht nach der Annahme der Erbschaft durch das Kunstmuseum im November. Nun wächst die Ungeduld.

«Es ist keine Zeit zu verlieren», titelte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) jüngst und zitierte den Anwalt der Erben, die das Gemälde «Sitzende Frau» von Matisse zurückverlangen: «Deutschland muss die Bürokratie erfunden haben.» An der Auseinandersetzung um das Testament könne es nicht liegen, so die FAZ. Gurlitts Verwandte, die das Testament angefochten haben, liessen mitteilen, die Familie könne sich nicht erklären, «warum die entsprechenden Gemälde noch nicht restituiert sind».

Unterlagen fehlen

Was also steckt dahinter? «Der Entscheid liegt beim Nachlasspfleger», sagt Marcel Brülhart, als Berner Verhandlungsleiter für die Gurlitt-Vereinbarung zuständig. «Er hat uns angefragt, ob das Kunstmuseum mit der Herausgabe einverstanden ist, und wir haben dies umgehend schriftlich bestätigt. Mehr kann das Kunstmuseum nicht tun.»

Der Nachlasspfleger selbst verweist auf die deutschen Bundesbehörden: «Derzeit läuft die Prüfung, ob die Anspruchsteller ausreichende Unterlagen vorgelegt haben. Das ist bei einigen Verfahren noch nicht der Fall», so der Münchner Anwalt Stephan Brock. Namentlich bei Carl Spitzwegs «Klavierspiel» fehlten noch nötige «Nachweise der Rechtsnachfolge». Man sei aber zuversichtlich, so Brock, dass die identifizierten Raubkunstwerke spätestens Ende Januar zurückgegeben werden könnten.

In Salzburg entdeckt

Noch länger dauern dürfte es im Fall von Camille Pissarros «Le Louvre, matin» (1902), das in Gurlitts Salzburger Haus entdeckt worden ist. Das Gemälde wurde im Zweiten Weltkrieg der jüdischen Familie Heilbronn in Paris geraubt. «Die Taskforce beschäftigt sich mit diesem Bild. Die Restitution ist für mich klar», sagt Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern.

«Es geht nun darum, die anspruchsberechtigten Erben ausfindig zu machen und mit diesen alle Modalitäten zu klären», so Frehner. «Bis jetzt sind meines Wissens noch keine Ansprüche von diesen geltend gemacht worden.»


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