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NS-Beutekunst: Bundesregierung verstärkt Raubkunst-Engagement - Federal government steps up looted art commitment

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Der Spiegel 21 February 2014

(English summary below) 

Kokoschka-Gemälde im Museum Ludwig: Die Stadt Köln gab das Bild im April 2013 an die Erben des Kunstsammlers Alfred Flechtheim zurück  
Kokoschka-Gemälde im Museum Ludwig: Die Stadt Köln gab das Bild im April 2013 an die Erben des Kunstsammlers Alfred Flechtheim zurück

Die internationale Kritik zeigt Wirkung: Die Bundesregierung will ihr Engagement bei der Suche nach NS-Raubkunst ausweiten. Dazu will Kulturstaatsministerin Grütters ein Deutsches Zentrum Kulturgutverluste gründen und deutlich mehr Geld bereitstellen.

Berlin/Hamburg - Dreieinhalb Monate nach dem Bekanntwerden des Fundes der Sammlung Gurlitt will das Kanzleramt seine Bemühungen bei der Suche nach von den Nazis während des "Dritten Reichs" geraubten Kunstwerke intensivieren. Die Bundesregierung will dazu die bestehenden Initiativen zur Suche nach NS-Raubkunst in Museen, Archiven und Bibliotheken unter dem Dach einer Stiftung bündeln. Das geht aus einem Vorschlag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an die Länder und Kommunen hervor.

 

Das geplante Deutsche Zentrum Kulturgutverluste soll seinen Sitz in Magdeburg sowie eine Vertretung in Berlin haben und noch in diesem Sommer eingerichtet werden. Der Bund will im Zuge dessen laut Grütters deutlich mehr Geld für die Provenienzforschung ausgeben als bislang. Bisher liegt das Budget bei 2,7 Millionen Euro im Jahr.

"Nicht erst der Fall Gurlitt und die Reaktion im In- und Ausland haben deutlich gemacht, dass wir unsere Anstrengungen in der Provenienzrecherche und Restitutionsfragen ausbauen müssen", sagte die Kulturstaatsministerin.

Auch Privatsammler und kleine Museen unterstützen

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (German Lost-Art Foundation) werde als Stiftung Bürgerlichen Rechts gegründet. Man wolle damit einen zentralen Ansprechpartner für das komplexe Thema schaffen und für mehr Transparenz sorgen, so Grütters. Sie will das Projekt mit den Kultusministern der Länder am 14. März in Berlin beraten und auf den Weg bringen.

In die Stiftung sollen die Magdeburger Koordinierungsstelle mit ihrer Datenbank Lostart.de, die Beratende Kommission für Streitfälle (Limbach-Kommission) sowie die Berliner Arbeitsstelle für Provenienzforschung eingebunden werden. Auch die Taskforce "Schwabinger Kunstfund" sowie die Forschungsstelle für "Entartete Kunst" der Freien Universität Berlin würden integriert.

In dem neuen Zentrum sollen die Förderanträge öffentlicher Einrichtungen zur Suche nach geraubter Kunst gebündelt werden. Aber auch Privatsammler und kleine Museen sollen unterstützt werden. Diese hätten dann die Möglichkeit, unabhängige Provenienzforscher einzusetzen.

"Ich finde es schlicht unerträglich"

 Die Stiftung solle sich auch mit den Kulturgutverlusten in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR befassen. Außerdem möchte Grütters Stiftungsprofessuren für Provenienzforschung und Restitutionsrecht gründen.

Nach der Entdeckung von mehr als 1200 Bildern beim Münchner Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt im November 2013 war im In- und Ausland Kritik am Umgang der Bundesrepublik mit NS-Raubkunst laut geworden. Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt Ende 2013 hatte Grütters die schleppende Suche kritisiert. "Ich finde es schlicht unerträglich, dass sich immer noch Nazi-Raubkunst in deutschen Museen befindet", so Grütters im Januar.

Bei der Sammlung Gurlitt gibt es Vermutungen, dass es sich bei einem Teil der Bilder um Nazi-Raubkunst handeln könnte. Die Experten der Taskforce "Schwabinger Kunstfund" halten rund 600 Bilder für verdächtig. Gurlitts Anwälte sprechen von höchstens drei Prozent. Sie fordern die Sammlung von der Staatsanwaltschaft Augsburg zurück.

English summary:

The new German Centre for Cultural Property will be a combination of existing initiatives under the umbrella of a foundation. Headquartered in Magdeburg, it will comprise the Koordinierungsstelle with its lostart database, the Limbach Commission, the AfP, the The Task Force and the Research Centre for " Degenerate Art" at the Free University Berlin. It will support small museums and private collectors and address cultural losses in the former Soviet Occupation Zone (SBZ ) and the GDR. In addition Minister Grütters wants to establish endowed Chairs for provenance research and restitution law.

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/bundesregierung-will-stiftung-fuer-suche-nach-ns-raubkunst-gruenden-a-954947.html
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