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Schwieriger Umgang mit Beutekunst

1970
1945
General-Anzeiger 16 December 2013

Zum Fall Gurlitt und zur Diskussion um Raub und Beutekunst.


Die sich am Fall Gurlitt entzündende Diskussion über Raub- und Beutekunst hat viele Facetten, historische, moralische, rechtliche und politische. Da sie weiter aufflammen dürfte, ist sachkundiger und auch behutsamer Umgang von den Medien zu verlangen. Leider sieht und liest man oft journalistische Kritik, die allzu schnell und an der Oberfläche zu schwimmen scheint, der Komplexität der Abläufe nicht angemessen.

Zentrale Frage: Wer ist Eigentümer, steht diesem das Kunstwerk zu? Empfehlenswert wäre, sich zum Beispiel anhand des Buches von Herbert Güttler über "Beutekunst?" (Bouvier) sachkundig zu machen und sich über die jahrelangen Verhandlungen der Bundesregierung zu informieren. Das Bild über Raub- und Beutekunst würde deutlicher werden.

Sogar der erste Kulturstaatsminister Naumann reflektiert in seinen Beiträgen in Funk und Fernsehen manchmal nicht ohne Irrtum, - bei der schwierigen Gemengelage vielleicht verzeihlich. In der Sendung "ttt" vom 1. Dezember 2013 erinnert er sich an die Lagerung eines "hochgotischen Kreuzgangs" aus Frankreich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, den er dort auf einer Dienstreise als "frischgebackener" Minister entdeckt hatte. Der Autor des genannten Buches, als früherer verantwortlicher Mitarbeiter Naumanns, weist demgegenüber auf S. 264 ff auf das "Kuriosum" hin, dass der genannte Kreuzgang identifiziert war, in den seit 1992 laufenden Verhandlungsrunden über die gegenseitige Rückführung von Kulturgut der französischen Seite mehrfach angeboten und zum Rücktransport (durch die Bundeswehr) vorgeschlagen war. Die Franzosen hatten auf das Angebot jedoch lange nicht reagiert. Warum? Auch sie waren sich über den Eigentümer in Frankreich nicht einig!

Folge: Der Kreuzgang nahm dem Germanischen Nationalmuseum über Jahre den Platz weg.

Thomas Grundmann, Bouvier Verlag, Bonn

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/leserbriefe/Schwieriger-Umgang-mit-Beutekunst-article1223229.html
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