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Restitutionsfall in der Kunsthalle Bremen

1970
1945
Kunstmarkt 4 April 2013
Der Kunstverein in Bremen, Träger der Kunsthalle Bremen, restituiert ein Kunstwerk aus seinen Sammlungen. Dabei handelt es sich um eine Zeichnung des italienischen Barockmalers Giacomo Cavedone, die an die Erben des jüdischen Anwalts und Sammlers Michael Berolzheimer zurückgeben wird. Da hier eine verfolgungsbedingte Enteignung durch die Nationalsozialisten vorliege, seien die Voraussetzungen für eine Rückgabe an die Rechtsnachfolger des ehemaligen Eigentümers gegeben, teilte die Kunsthalle Bremen heute mit.


Giacomo Cavedone, Rückenfigur einer Frau in faltigem Gewand

Brigitte Reuter, Provenienzforscherin der Kunsthalle, stellte bei ihren Recherchen fest, dass der Bremer Kunsthändler und Sammler Arnold Blome 1939 bei dem Auktionshaus Weinmüller in München zwölf Zeichnungen Alter Meister der Sammlung Berolzheimer ersteigert hatte. Zwei dieser Zeichnungen, eine Gewandstudie Andrea Boscolis und einen Leichenzug Lodovico Carraccis, verkaufte Blome noch im selben Jahr direkt an die Kunsthalle Bremen. Eine dritte Zeichnung, eben Giacomo Cavedones Rückenfigur einer Frau in faltigem Gewand, kam über den Bremer Sammler Heinrich Beckmann nach dessen Tod 1941 in den Bestand der Kunsthalle. Während die Blätter Carraccis und Boscolis durch die Auslagerung auf Schloss Karnzow in Brandenburg als kriegsbedingte Verluste gelten beziehungsweise der Sammlung Baldin in Moskau angehören, befindet sich Cavedones Figurenstudie bis heute noch in der Kunsthalle Bremen.

Michael Berolzheimer (1866-1942) stammte aus einer Fürther Industriellenfamilie und lebte seit 1905 in Untergrainau bei Garmisch-Partenkirchen. Er war ein bekannter Kunstsammler und jahrelang ehrenamtliches Mitglied der Ankaufskommission der Alten Pinakothek sowie der Staatlichen Graphischen Sammlung in München. Seine Sammlung von Handzeichnungen umfasste mehr als 800 Blätter Alter und Neuerer Meister sowie rund 600 druckgrafische Blätter. Als er am 25. Juli 1938 mit seiner Familie in die USA emigrierte, musste er unter massiven Repressalien der Nationalsozialisten große Teile seines Besitzes und seiner Kunstsammlung in Deutschland zurücklassen. Auch die Handzeichnungen wurden von den Nationalsozialisten eingezogen und am 9. und 10. März 1939 im Münchener Auktionshaus Adolf Weinmüller versteigert. Die 600 Druckgrafiken konnten in die Emigration gerettet werden. In den vergangenen Jahren haben auch andere große Museen Werke an die Familie Berolzheimer restituiert. So gab 2010 die Albertina in Wien 29 Zeichnungen zurück, 2011 folgte das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin mit einer Gruppe von 24 Zeichnungen.
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