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Kunstmuseum muss passen. Keine Recherche nach NS-Raubkunst - Frage von Geld und Personal

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Tagblatt 12 February 2013
By Elke Hauptmann

Die Rathaus-CDU will geprüft wissen, ob es im Stuttgarter Kunstmuseum NS-Raubkunst gibt. Eine klare Antwort darauf gibt es aber nicht.

Stuttgart Mehr und mehr deutsche Museen und Bibliotheken forschen in ihren Beständen nach NS-Raubkunst. Auch in Stuttgart. Im Landesmuseum Württemberg und in der Staatsgalerie Stuttgart ist eigens eine Provenienzforscherin tätig. Im Kunstmuseum hingegen wird die Herkunft vieler Bilder nicht systematisch überprüft.

Das Kunstmuseum am Stuttgarter Schlossplatz wurde im März 2005 als "Nachfolgemuseum" der Galerie der Stadt Stuttgart eröffnet. Immerhin rund 15 000 Objekte gehören zum Bestand - darunter auch die bedeutendste Sammlung von Werken des Künstlers Otto Dix. Darüber hinaus besitzt das Museum zahlreiche Werke von Willi Baumeister, Adolf Hölzel, Dieter Roth, Dieter Krieg, Rebecca Horn sowie vielen anderen bekannten Künstlerinnen und Künstlern.

Die Rathaus-CDU interessiert sich für die Herkunft vieler Objekte, will von der Stadt nun wissen, ob am Kunstmuseum analog zu den vier Landesmuseen in Stuttgart und Karlsruhe die Bestände der städtischen Kunstsammlung auf Kunstgegenstände, die während der Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmt oder sonst verfolgungsbedingt entzogen worden sind, überprüft wurden. Und ob es in der Vergangenheit Restitutionsanfragen zu Kulturgütern aus der städtischen Kunstsammlung gegeben hat.

Eine klare Antwort darauf kann Eva Klingenstein, die Sprecherin des Kunstmuseums, nicht geben. Sie räumt ein: "Es gibt keine systematische Provenienzforschung in unserem Haus." Allein schon aus personellen Gründen nicht. Mittel für eine aufwendige Bestandsaufnahme stünden auch nicht zur Verfügung.

Bislang sei kein einziger Fall bekannt, in dem Kunstgegenstände zurückgegeben wurden. Anfragen zur Rückgabe möglicher Kunstwerke aus früherem Besitz jüdischer Kunstsammler habe es ebenfalls so gut wie nicht gegeben. In den Beständen sei "nichts bekannt, was relevant wäre". Zum Glück, so Klingenstein, habe man viele Werke direkt von den Künstlern oder deren Angehörigen erworben. Die Herkunft der meisten Objekte sei daher klar.

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