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'Schwarzbuch Bührle: Raubkunst für das Kunsthaus Zürich? - The Bührle Black Book: Looted Art for the Kunsthaus Zurich?'

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Title

Schwarzbuch Bührle: Raubkunst für das Kunsthaus Zürich? - The Bührle Black Book: Looted Art for the Kunsthaus Zurich?

Author

Thomas Buomberger, Guido Magnaguagno

Date

August 2015

Description

 


Die Stiftung Sammlung Bührle zieht ins neue Zürcher Kunsthaus. Welche Herkunft haben diese Bilder?

(Raub-)Kunst und Kanonen


Mit der geplanten Übernahme von Emil G. Bührles Gemäldesammlung durch das Kunsthaus Zürich prangt der Name des Waffenlieferanten Nazideutschlands auf einer wichtigen öffentlichen Kulturinstitution. Doch woher stammen Bührles Bilder? Das Buch geht der Herkunft vieler bedeutender Kunstwerke, unter anderem von Manet, Monet, van Gogh und Cézanne, nach und wirft Fragen zu Raubkunst und Fluchtgut auf.

Der Name Emil G. Bührle steht für die Verknüpfung von Waffen und Kultur, von Geld und Macht, für Arroganz und Knauserigkeit, für unternehmerische Kühnheit und Rücksichtslosigkeit. Bührle hat die Vorstellung kultiviert, dass Kunst den Menschen veredle. Wer Sinn für das Schöne habe, könne kein schlechter Mensch sein. Bührle hatte nie Skrupel wegen seiner Tätigkeit als Waffenfabrikant – im Gegenteil. Und er hat an alle verkauft, die seine Kanonen bezahlen konnten. Hauptkunde während des Zweiten Weltkrieges war jedoch Nazideutschland.

Nun soll der größte Teil von Bührles Gemäldesammlung vom Kunsthaus Zürich übernommen werden und den Grundstock im geplanten Erweiterungsbau von David Chipperfield bilden. Der Name Bührle prangt also auf einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der Stadt Zürich.

Das wirft Fragen von öffentlichem Interesse auf: Woher stammen Bührles Bilder? Wo handelt es sich um Raubkunst beziehungsweise Fluchtgut? Wie kam Bührle zu seinem Reichtum? Wie wurde das Waffengeschäft mit Nazideutschland abgewickelt? Welche Rolle spielte Bührle im Kunstraubsystem der Nazis? Und welchen künstlerischen Wert hat die Bührlesammlung überhaupt?

Das Schwarzbuch Bührle soll die Diskussion um ein schwieriges Erbe fördern und verweist darauf, dass die Vergangenheit in Bezug auf Raub- und Fluchtkunst sich so lange zurückmeldet, bis sie wirklich aufgearbeitet ist.
-Presseecho-
Im »Schwarzbuch Bührle« beschreiben die Herausgeber Guido Magnaguagno und der Kunsthistoriker Thomas Buomberger umstrittene Kunstwerke und die lückenhafte Dokumentation von Gemälden, die einst in jüdischem Besitz waren. Hans-Jürgen Maurus hat mit den Herausgebern des Schwarzbuchs gesprochen.
Hans-Jürgen Maurus, Inforadio rbb, 30.08.2015
Den gesamten Beitrag können Sie hier nachhören.


Tages-Anzeiger, SPIEGEL, SRF, Mittellandzeitung, SDA, NZZ, NZZ am Sontag, BLICK – alle machen das Erscheinen des »Schwarzbuch Bührle«, hrsg. von Thomas Buomberger und Guido Magnaguagno, zum Thema. Die Debatte über den Umgang mit Fluchtkunst in der Schweiz ist angestoßen.

Auf seiner Frontseite titelt der Tages-Anzeiger vom 22.8.: »Fluchtgut-Debatte erreicht Zürcher Kunsthaus« und bringt einen Vorabdruck aus dem Buch von Herausgeber Guido Magnaguagno, »Altlasten im Neubau«. In seinem Kommentar stellt Tagi-Chefredaktor Res Strehle klar: »Es geht um Bilder, die jüdische Besitzer auf ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten unter ihrem Wert verkaufen mussten. (...) Wer solche Bilder zeigt, kann sich nicht auf den guten Glauben des Erwerbers berufen, sondern muss nachweisen können, dass die unfreiwilligen Verkäufer bzw. deren Nachkommen später für diesen Vermögensnachteil gebührend entschädigt wurden, oder aber das BIld zurückgeben.«

»Am Montag erscheint eine Art Kampfschrift, die in der Kunstwelt für Aufsehen sorgen dürfte«, meldet der aktuelle SPIEGEL. »In ihrem Buch erinnern der Historiker Thomas Buomberger und der Kunstexperte Guido Magnaguagno daran, dass der gebürtige Deutsche Bührle viel Geld durch Geschäfte mit den Nazis gemacht und nachweislich auch Raubkunst gekauft habe. (...) Weitgehend im Dunkeln liege die Herkunft vieler Werke, die vor Jahrzehnten nicht an eine Stiftung, sondern an Sohn und Tochter von Bührle gegangen seien. Die Herausgeber mahnen "völlige Transparenz" an.«

Auf Radio SRF streicht Ellinor Landmann heraus: »Das Schwarzbuch Bührle lanciert die Diskussion um Fluchtkunst. (...) Hinter den hellen Bildern der Sammlung Bührle stecken schwierige Fragen, die auf Antworten warten. Die Schweiz wird sich der Diskussion um Fluchtgut stelllen müssen. Dreh- und Angelpunkt ist die Erforschung der Herkunft der Bilder, die auch die Umstände eines Verkaufs berücksichtigen muss. Damit über 70 Jahre nach Kriegsende begangenes Unrecht nicht stillschweigend fortgesetzt wird.«

Ähnlich sieht das Sabine Altorfer in der Nordwestschweiz: »Die eigentlich Brisanz des Schwarzbuchs ist, dass Buomberger/Magnaguagno die Definition für Werke, die man an die ursprünglichen Besitzer zurückgeben müsste, weiter fassen, als bisher üblich: Sie nehmen nicht nur Raubkunst ins Visier, sondern auch Fluchtgut. Also nicht nur Werke, welche das Naziregime den jüdischen Besitzern gestohlen hatte, sondern auch Bilder, die Verfolgte selber verkauften, weil sie zum Beispiel Geld brauchten für ihre Flucht. In der Schweitz gelten diese Käufe – im Gegensatz zur neuen Auffassug in Deutschland – als legal. Die Schweiz habe hier Nachholbedarf – für die Sammlung Bührle wie für das Gurlitt-Erbe in Bern und generell für die Museumssammlungen, lässt sich Buombergers Forderung zusammenfassen.«
Und SDA-Autor Karl Wüst: »Bei ihrer Forderung ans Kunsthaus, die Provenienzen zu erforschen und offenzulegen, gehen die Autoren weit über die Raubkunst hinaus. Rückkgabepflichtig ist ihrer Meinung nach – und darin liegt die Sprengkraft des Buches – der gesamte "verfolgungsbedingte Verlust". (...) In Fachkreisen ist diese Diskussion bereits im Gang, und sie wird zunehmend auch die breite Öffentlichkeit beschäftigen, wie die Autoren hoffen.«

In der NZZ vom 25.8. nimmt Thomas Ribi die Forderung nach Transparenz auf: »Mit der Überführung ins Kunsthaus treten die Werke aus dem geschützten Bereich der Privatsammlung heraus. Sie werden Teil einer öffentlichen Institution, auch wenn sie lediglich Leihgaben sind. Kritische Fragen der Öffentlichkeit müssen Antworten finden. Transparenz zu schaffen, wird unerlässlich. Allerdings hat die Stiftung Sammlung Bührle in den letzten Jahren bereits viel dafür getan und einiges geklärt. In Hinblick auf die Präsentation im Kunsthaus wurden die Bemühungen um lückenlose Klärung der Provenienzen zudem unter Beizug von externernen Fachleuten intensiviert. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, sollen aber mit der Überführung der Werke ins Kunsthaus dem Publikum zusammen mit einer Dokumetation zur Entstehung der Sammlung zugänglich gemacht werden. An diese Zusage seitens der Stiftung wird man sich erinnern.«
Den ganzen Artikel können Sie hier einsehen.

Wird das Buch in den meisten Medien als relevanter Beitrag zur Diskussion um den Umgang mit Raubkunst und Fluchtgut gesehen, hält es die NZZ am Sonntag für »überflüssig« und vertraut auf die Versprechungen der Bührle-Stiftung und der Stadt Zürich, die Provenienzforschung »ständig zu überprüfen und weiterzuentwickeln«.

Der BLICK präsentiert anlässlich des Erscheinens einen Zweiteiler (24./25.8) und zeichnet unter dem Titel »Kunst dank Kanonen« den Aufstieg des Waffenhändlers Emil G. Bührle nach; es folgt »Wie Emil G. Bührle zu seinen Kunstwerken kam«.

 

  • Broschiert: 256 Seiten
  • Verlag: Rotpunktverlag; Auflage: 1 (24. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3858696641
  • ISBN-13: 978-3858696649
  • Größe und/oder Gewicht: 13,8 x 2,2 x 20,8 cm
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