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Nazi-Raubgut an Religionslehrer zur├╝ckgegeben - Nazi looted books returned to religious teachers

1970
1945
MKonline 30 September 2017

von Georg Walser

Bedrängt, verboten, enteignet: So haben die Nationalsozialisten aus den Weg geräumt, was der Ideologie im Weg stand. Von katholischen Religionslehrern haben sie die Bücher einkassiert.

Stempel schreiben Geschichte: dieses Buch war bei der Bayerischen Staatsbibliothek und wurde jetzt zurückgegeben - restituiert. © Kiderle

München – Ein unscheinbarer Eintrag, mit Bleistift auf einer der ersten Seiten eines Buches geschrieben und nur wenige Zeichen lang, ist es, der die innere Warnleuchte bei Stefan Kellner in der Bayerischen Staatsbibliothek auf rot stellt: „G. n. 15“ (hier ein Beispiel) besagt, dass dieses Werk eine Schenkung ist (G eschenk) und der Spender über die Chiffre 15 genau zugeordnet werden kann. Wenn dann die Signatur noch mit einer 40 beginnt, das Buch also im Jahr 1940 und damit während der Nazi-Zeit in den Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek aufgenommen worden ist, wird der Experte für NS-Raubgut extrem hellhörig: In dieser Zeit stand die 15 für das damalige Bayerische Kultusministerium. Und oftmals handelt es sich bei den „Schenkungen“ um NS-Raubgut.

Seit 2003 sucht die Bayrische Staatsbibliothek in ihren Beständen nach NS-Raubgut und gibt diese damals enteigneten Werke den rechtmäßigen Besitzern zurück, sofern diese sich noch ermitteln lassen. Dazu, in der Fachsprache heißt dieser Vorgang Restitution“, gehört auch, dass im Katalog der Stabi die Werke verzeichnet bleiben, dort aber darauf verwiesen wird, dass diese jetzt wieder bei den ursprünglichen Eigentümern sind. So wolle man sich der eigenen Geschichte stellen, „und nicht so tun, als wäre das Buch nie bei uns gewesen“, sagt der Leiter des Referats Bavarica Bayerische Staatsbibliothek, Stefan Kellner, bei der feierlichen Übergabe von 67 geraubten Werken im Archiv des Erzbistums München und Freising.

 
Ordinariatsdirektorin Sandra Krump, KRGB-Vertreter Erhard Staufer SDB, Stefan Kellner (Leiter des Referats Bavarica Bayerische Staatsbibliothek), Archivdirektor Peter Pfister 

1938 wurde der „Verein katholischer Religionslehrer an den höheren Lehranstalten Bayerns“ vom NS-Regime aufgelöst, die vorhandene Bibliothek wurde einkassiert und ins damalige Kultusministerium verbracht. Oftmals, so berichtet Kellner, wurde in den Beständen erst nach kompromittierenden Material, beispielsweise in Form von Vermerken, gesucht. Dann wurden die Bestände der Staatsbibliothek angeboten, die daraus 110 Titel auswählte und fein säuberlich in einer Liste erfasste. 67 in dieser Zugangsliste vermerkte Bücher konnten jetzt ausfindig gemacht werden, der Rest dürfte im Krieg verloren gegangen sein. Da der Rechtsnachfolger, der „Verband der katholischen Religionslehrer und Religionslehrerinnen an den Gymnasien in Bayern e.V.“ (KRGB) über keine eigene Geschäftsstelle verfügt, kam die Idee auf, die Werke im Archiv des Erzbistums zu verwahren. Pater Erhard Staufer SDB bedankte sich als Vertreter des KRGB bei der Feierstunde ausdrücklich für diese Bereitschaft des Archivs, die für beide Seiten eine gute Lösung darstelle.


Einige der zurückgegebenen Werke.

Die Bayerische Staatsbibliothek hat diese Werke vor der Übergabe und mit Einverständnis des neuen-alten Besitzers auch digitalisiert, so dass die einst geraubten Werke jetzt einem breiten Publikum zugänglich sind. Auch wenn die Bücher keinen großen materiellen Wert mehr haben, so ist diese Übergabe doch von hohem symbolischen Wert. „Wir freuen uns, dass wir spät, aber hoffentlich nicht zu spät diese Werke zurückgeben können. Sie haben hier eine gute Heimat gefunden“ betonte Kellner zum Abschluss der Feierstunde. Dass es bestimmt nicht zu spät ist, bestätigte Ordinariatsdirektorin Sandra Krump: sie sei tief berührt von dieser Rückgabe.

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