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Forschungsergebnisse: Das Leben des K√ľnstlers Eduard Fuchs - Research results: The life of artist Eduard Fuchs

1970
1945
Aachener Zeitung 1 February 2017
von Rold Hohl

Der Journalist Ulrich Weitz erzählt im Leopold-Hoesch-Museum über das Leben des Künstlers Eduard Fuchs.

Düren. Als Beamte der Staatsanwaltschaft Augsburg im Frühjahr 2012 die Tür zur Münchener Wohnung von Cornelius Gurlitt aufstießen, öffneten sie damit auch ein neues Kapitel in der deutschen Provenienzforschung, also der Herkunftsforschung.

Bald erhärtete sich der Verdacht, dass es sich bei einem Teil der mehr als 1200 Kunstwerke umfassenden Sammlung des Kunsthändlersohns um Raubkunst aus der Zeit des Nationalsozialismus handeln könnte. Museen im ganzen Land begannen in der Folge, eigene Nachforschungen zu ihren angekauften Werken anzustellen – auch im Dürener Leopold-Hoesch-Museum.

Seit knapp zwei Jahren befasst sich dort der Kunsthistoriker Kai Artinger mit den Recherchen zur Herkunft der insgesamt 2040 Werke des Museums. In vier Fällen ist man in Verhandlungen mit den Erben getreten, und bei der größten Sammlung wurde nun eine Einigung erzielt. 104 Grafiken aus der Sammlung von Eduard Fuchs wurden von dessen Erben dem Leopold-Hoesch-Museum überlassen – und damit dem Willen des Kunstsammlers Rechnung getragen. „Es war den Angehörigen sehr wichtig, dass die Sammlung in öffentlichem Besitz bleibt, weil sie so die Erinnerung an Eduard Fuchs wach hält“, sagt Artinger.

Durch Kunst- und Ideengeschichte

Die herausragende Bedeutung der Sammlung Fuchs erwächst nicht nur aus den Werken selbst, sondern auch aus der Lebensgeschichte ihres einstigen Besitzers. Sie führt auf Schleichwegen durch die europäische Kunst- und Ideengeschichte von der Kaiserzeit bis ins Dritte Reich. Seine Villa in Berlin etwa, in der er bis 1933 lebte und seine Sammlung aufbewahrte, war das zweite Haus, das Ludwig Mies van der Rohe in seiner noch jungen Karriere als Architekt entworfen hatte.

Fuchs, selbst überzeugter Kommunist, war Weggefährte von Karl Liebknecht, verhandelte mit Wladimir Iljitsch Lenin in München und wurde später Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Viel bedeutender als sein politisches Engagement war aber sein publizistisches Wirken: Früh erkannte er die Qualität und den künstlerischen Wert der – zumeist erotischen – Zeichnungen von Künstlern wie Honoré Daumier oder Thomas Rowlandson. „Er griff in seinen Publikationen früh auch den latenten Antisemitismus in der Arbeiterschicht auf, was schließlich zum Bruch mit den Sozialdemokraten geführt hat“, erklärt der Journalist Ulrich Weitz, der eine umfassende Biografie über Fuchs geschrieben hat.

Fuchs veröffentlichte mit den Bänden der „Illustrierten Sittengeschichte“ einige der meistverkauften Bücher seiner Zeit. Der Erfolg war aber nicht allein auf die Texte darin zurückzuführen, sondern beruhte vor allem auf den erotischen Karikaturen, die Fuchs zusammengetragen hatte. „Man könnte auch sagen, das war die Onaniervorlage für unsere Großväter“, beschreibt es Weitz.

Nach dem Reichstagsbrand sah sich Fuchs aber gezwungen, das Land zu verlassen und seine Kunstsammlung wurde mitsamt seinem Haus in Berlin von der Gestapo beschlagnahmt. Doch auch aus Paris, wo er noch bis 1940 lebte, versetzte er dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland noch einige Nadelstiche. „Er war auch juristisch ein Fuchs“, sagt Biograf Weitz. „Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde schaffte er es, dass die Gestapo seine beschlagnahmte Sammlung wieder zurückgeben muss – in einer Diktatur eigentlich unvorstellbar.“ In den darauf folgenden Monaten schmuggelten schließlich Freunde von Fuchs immer wieder Zeichnungen aus dem besetzten Haus in Berlin.

Einige davon fanden später über Versteigerungen ihren Weg schließlich nach Düren und sind noch bis zum 19. März im Leopold-Hoesch-Museum in der Ausstellung „Unsere Werte? Provenienzforschung im Dialog“ zu sehen. Es ist auch eine Verneigung vor einem der bedeutsamsten deutschen Kunstsammler des 20. Jahrhunderts geworden. Und für Eduard Fuchs, der einst seine Villa zu einem Museum ausbauen und der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, dürfte diese eine späte Genugtuung sein.

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